Der Tugendterror, Sigmund Freud und die Neger

AziEgerHeute wollen wir uns einmal der Frage widmen was Thilo Sarrazin eigentlich mit Tugendterror meint, wie er entsteht und warum Neger davon nicht betroffen sind? Ja, Sie haben schon richtig gelesen, der Autor hat das Wort „Neger“ gebraucht. Aber darf er das denn? Ob er das nun darf ist dem Autor völlig egal, schließlich hat er den Afrikaner nicht schwarz angemalt und entstammt einem – na, sagen wir mal eher etwas unterpigmentierten Kulturkreis. Aber wieso ist die Herkunft des Autors so entscheidend für das was er sagen darf und was nicht? Nun, die Herkunft bestimmt über die soziale Prägung eines Menschen. Je nachdem in welcher Gesellschaft ein Mensch aufwächst werden ihm die sozialen Werte und Normvorstellungen, in Form von Geboten und Verboten, aufgeprägt. Dies scheint bei unserem Autor offenbar nicht ganz funktioniert zu haben.

Jetzt stellt sich dem Autor natürlich die Frage, ob der Fehler nun an ihm selbst liegt oder aber an der Gesellschaft, die ihn dahingehend zu prägen versucht, dass er das Wort „Neger“ tunlichst nicht gebrauchen darf. Das Argument, dass ihm das Grundgesetz das Recht zugesteht, seine Meinung in Wort, Schrift und Bild frei zu äußern, wird von der ihn umgebenden Gesellschaft nicht weiter akzeptiert, weil sich längst ein neues, gesellschaftliches Gewohnheitsrecht eingebürgert hat, das da lautet:

Jeder/Jede hat das Recht, seine/ihre Meinung in Wort, Schrift und Bild frei zu äußern und zu verbreiten, abhängig von seinem/ihrem Geschlechtes, seiner/ihrer Abstammung, seiner/ihrer Rasse, seiner/ihrer Sprache, seiner/ihrer Heimat und Herkunft, seines/ihres Glaubens, seiner/ihrer religiösen oder politischen Anschauungen.“

Eigentlich ist dieser Artikel jetzt schon zu Ende, weil der Autor demnach gar nichts mehr schreiben dürfte, wenn er sich denn an die Norm- und Wertvorstellungen, der in Deutschland nach Neunzehnadolfbombenkrieg geprägten Gesellschaft, richten würde.

Sigmund Freud hat in seinem Strukturmodell der Psyche bereits 1923 etwas beschrieben was er „Über-Ich“ nannte: „Der Begriff „Über-Ich“ bezeichnet nach Freud jene psychische Struktur, in der soziale Normen, Werte, Gehorsam, Moral und das Gewissen angesiedelt seien. Sie seien vor allem durch Erziehung erworben und spiegeln die von außen an das Kind herangetragenen, verinnerlichten Werte der Gesellschaft, insbesondere der Eltern wider. Erst durch die Herausbildung des Über-Ich erwerbe der Mensch die Fähigkeit, sich sozialgerecht zu verhalten und seine ursprünglichen Triebregungen eigenständig zu kontrollieren. – Schuldgefühle tauchen auf, wenn die Gebote und Verbote des Über-Ichs nicht befolgt würden.“ Bei nähere Betrachtung des Freud’schen Strukturmodells fällt einem auf, dass er bereits damals erkannt hat, worüber heute dicke Bücher geschrieben werden müssen, um der Gesellschaft den Spiegel vorzuhalten. Unsere derzeitigen Normen, Werte und Moralvorstellungen sollten dringen überdacht werden. Eine Gesellschaft sollte selbst zu den Werten und Moralvorstellungen finden, mit denen sie ihre Kinder prägen möchte.

Zu allen Zeiten haben die Herrschenden, der Klerus und die Eliten dem Pöbel ihre Vorstellungen von Gewissen, Anstand und Moral aufs Auge gedrückt. Und immer bestanden die Vorstellungen der Eliten aus den absurdesten Moralvorstellungen, denen sich der Pöbel unterzuordnen hatte. Bei einer offenen Weltsicht waren die Absichern hinter den aufgedrückten Normen schnell zu erkennen. Und immer wieder fanden sich mutige Menschen, die es sich herausnahmen gegen den Ablasshandel aufzubegehren, den Hut des Landvogts nicht zu grüßen – oder gar „… Bomben in das aus ihrer Sicht verkrustete Bewusstsein der Gesellschaft zu schmeißen.“ Zu allen Zeiten wurde gegen die völlig überzogenen und realitätsfernen sozialen Normen der Obrigkeiten aufbegehrt. Daran ist der Sozialismus im Ostblock zerbrochen, das Römische Empire ging an seiner eigenen Dekadenz zu Grunde, Ludwig der XVI wurde einen Kopf kürzer gemacht, Onkel Adolf bekam von Wehrmachtsoffizieren eine Bombe unter den Tisch gestellt und auch den Kaiser von China gibt es nicht mehr. Selbst Leute wie Tebartz van Elst, Erich Honecker und Christian Wulff sind letzten Endes daran gescheitert, weil das Volk kein Verständnis für die von ihnen suggerierten moralischen Werte mehr hatte.

Wenn von oben verabreichte Soziale Normen und moralische Werte vom Volk als „Tugendterror“ empfunden werden, dann ist meist der gesellschaftliche Umbruch nicht weit. Die Zeichen mehren sich, dass uns ein Umbruch gegen den Tugendterror der ergrauten Spätachtundsechziger bevorsteht. Ich möchte nicht in einem Land leben in dem eine Neger kein Neger mehr sein darf. Ich möchte mich nicht bei Muslimen dafür entschuldigen müssen, weil Adolf die Juden vergast hat. Und ich habe keinen Bock mehr darauf mir immer neue politkorrekten Floskeln und deren eigentliche Bedeutung merken zu müssen. Ich möchte aber auch nicht morgen in einem Land aufwachen, in dem ich, durch die völlig überzogenen, realitätsfernen Werte und absurden Moralvorstellungen eines Kewil und anderer ultrarechtskonservativer Zeitgenossen, um meine Meinungsfreiheit beschissen werde. Wir sollten uns als Gesellschaft endlich einmal dazu durchringen unsere sozialen Normen in einem demokratischen Diskurs selbst zu bestimmen, als uns den Vorstellungen der „Moral von Oben“ zu beugen.


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