Türkischer Frühling bei PI

Ankara Kussprotest Koptisch WordPresslOffensichtlich glaubt man bei Politically Incorrect wirklich noch, dass es sich bei den Demonstrationen in der Türkei um eine Art von Volksaufstand gegen einen islamistisch-autoritären Diktator handelt und die Demonstranten für Menschenrechte, Freiheit und einen laizistischen Staat auf die Straße gehen. Dementsprechend wohlwollend klingen die seit dem Ausbruch der „Unruhen“ dort abgefassten Artikel zu dem Thema. Man könnte fast schon glauben, dass einige der Autoren und Kommentatoren bei PI mit den vermeintlich ach so freiheitsliebenden Demonstranten mitfiebern. In jedem Fall bezieht das größte deutschsprachige, islamkritische Blog eindeutig Position gegen Onkel Erdogan und für die Demonstranten. Wir halten uns da lieber an die Aussage von Dieter Nuhr, der gesagt hat: „Scheinbar kann sich bei uns niemand vorstellen, dass es im Nahen Osten Arschlöcher gibt, die auf Arschlöcher schießen!” 

Es ist absolut unverständlich warum ausgerechnet in einem Land, das zu fast 99% muslimisch ist, eine Revolution anders ablaufen sollte, als in den bekannten arabischen Staaten. In unserem Artikel Wege aus der Krise haben wir festgestellt, dass der „Arabische Frühling“ nur in Staaten ausgebrochen ist, die sich an die Sowjetunion angelehnt haben:

„Im Gegensatz zur Sowjetunion hatte der Ami (der Westen) niemals Berührungsängste, im Umgang mit islamistischen Staaten. Die Sharia wurde in Vasallenstaaten gnadenlos toleriert. „… he’s our bastard“ – Die Russen hingegen haben, in ihren realsozialistischen Wüstenablegern, immer schön darauf geachtet, dass dort rote Schergen herrschten und der Islam klein gehalten wurde. Herr Assad ist nur der Letzte in einer langen Liste von solchen säkularen Herrschern, die ihre Waffen in Moskau kauften. Im Prinzip hat die sog. „Arabische Revolution“ auch nur in genau den Staaten stattgefunden, in denen Diktatoren herrschten, über die Moskau lange die schützende Hand hielt und die deshalb relativ säkular waren.“

Die Türkei war ebenfalls sehr lange säkular-laizistisch, wenn auch aus anderen Gründen, an denen die Russen ausnahmsweise mal nicht schuld sind, sondern der so gerne von Herrn Stürzenberger zitierte Onkel Atatürk. Während die sozialistische-laizistische Episoden in den Ländern des „Arabischen Frühlings“ (Tunesien Ägypten, Libyen, Syrien) nur zwischen 20 und 40 Jahren gedauert hat, befand sich die Türkei seit Atatürks Zeiten über 90 Jahre in einer mehr oder weniger säkular-laizistischen Phase, in der der Islam unterdrückt wurde. Das Land bezeichnet sich aber nach wie vor als muslimisch. Erdogan hat bereits vor Jahren mit einer Reislamisierung der Türkei begonnen. Es ist durchaus nachvollziehbar, dass die Studenten in Istanbul wirklich eine Öffnung des Landes zur westlichen Lebensweise wollen. Aber die Türkei besteht nicht nur aus laizistischen Studenten aus dem relativ westlichen Istanbul. Bereits vor Ankara beginnt die wahre Türkei, die Türkei der Erdogan-Wähler. Es ist absolut nicht nachvollziehbar, warum gerade PI an eine wirkliche Revolution glaubt und diese Studenten so bejubelt? Die Türkei ist ein islamisches Land und es ist mit Nichten anzunehmen, dass sich in der Türkei eine Revolution gegen den Islam ereignen sollte.

Genau wie in den genannten arabischen Staaten, hat auch der türkische Diktator seine Anhänger zu Gegendemonstrationen aufgerufen. Inzwischen herrscht zwar wieder etwas Ruhe, aber nun schwebt ein unausgetragener Konflikt über dem Land, der sich bei der nächsten Gelegenheit wieder hochschaukeln wird. Dann werden sich mit Sicherheit auch radikale Muslime unter die Parteien mischen. Was als Protest der Studenten gegen die AKP begann, wird sich im Laufe der Demonstrationen in einen islamischen Mob verwandeln. Ob mit oder ohne Erdogan spielt dabei keine Rolle mehr. Früher oder später wird es auch in der Türkei zu Neuwahlen kommen. Und sicherlich gibt es dann auch irgendwelche Moslembrüder, oder andere radikale Gruppierungen, die einen Machtanspruch stellen. Das einzig beruhigende ist höchstens noch die extreme nationale Rechte in der Türkei, die sich dem entgegenstellen könnte, was dann eventuell zum nächsten Bürgerkrieg führen könnte.

Das Onkel Erdogan selbst ein relativ radikaler Moslem ist spielt da kaum eine Rolle. Für die richtigen Extremisten ist Erdogan noch viel zu weichgespühlt. Man erinnere sich nur mal an die martialischen Aussagen von Herrn Assad in Bezug auf Israel. Auch Herr Assad hat versucht sich mit markigen Sprüchen bei seiner sunnitischen Mehrheitsbevölkerung beliebt zu machen. Wie wir wissen ist ihm das nicht gelungen. Im Prinzip ist es jetzt noch unbeliebter in dieser Bevölkerungsgruppe, als die Israelis selber. Wie die Sache in der Türkei wirklich weiter geht können auch wir nicht sagen. Aber mit Sicherheit werden die ach so laizistischen Studenten von allen Seiten niedergeknüppelt werden. Etwas anderes ist in einem zu 99% muslimischen Land nicht zu erwarten. Diese Studenten liefern nur den Zündfunken, der ein Pulverfass entzündet, das schon seit 90 Jahren schwelt. Auch bei PI hat man in den ersten Tagen der Jasminrevolution in Tunesien noch einen Funken Hoffnung gehabt, dass sich alles zum Besseren wenden könnte, wenn auch mit Skepsis. Genau diese Skepsis wäre aktuell auch bei der Türkei angebracht!

Schreibe einen Kommentar

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s

%d Bloggern gefällt das: