Revolution in der Kümmelkratie

Turkey_ProtestWir sind von der türkischen Kümmelkratie ja schon so einiges gewohnt, aber was jetzt dort abgeht ist türkischer Frühling. Onkel Erdogan – selbsternannter Diener seiner Volkes – hat mächtig Muffensausen, weil in Istanbul und anderen Städten Randale ausgebrochen sind, wie wir sie vom 1. Mai her kennen. Die Medien romantisieren das gerne mit „Jugendkrawallen“, und hoffen dann ernsthaft auf Reformen. Das die Situation dieses Wochenende nicht gänzlich eskaliert und in Bürgerkrieg ausgeartet ist, ist alleine Staatspräsident Gül zu verdanken, der den coolen Mann im Staat markiert. Onkel Erdogan ist inzwischen nach Afrika geflohen, wo er sich in Marokko, Algerien und Tunesien anschauen will, was nach einer Revolution passiert. Heute soll er wieder  zurückkommen.

Istanbul tear gasWährend dessen tobt in türkischen Städten allabendlich der Mob und gefühlt 20Mil. Dönermänner wollen Onkel Tayyip ans Leder. Im Moment sehen diese Demonstranten alle noch aus wie linke Studenten, auf vielen Fotos sind auch einige rote Fahnen zu sehen, mitunter auch welche aus St. Pauli. So hat das in Tunesien und den anderen Staaten auch angefangen. Es sind immer zuerst die lieben Studenten, die sich gegen einen Diktator auf die Straße begeben, um sich mit Polizisten zu prügeln. Am nächsten Tag ist das dann in den westlichen Medien und diese kritisieren natürlich die Polizei. Aber es ist immerhin schön mit anzusehen, wenn sich Türken und die türkische Polizei gegenseitig auf´s Maul hauen und sich mit in einer Wolke Pfefferspray selbst vergasen. Es sieht alles so aus wie in Tunis oder Kairo, nach der ersten Woche der Proteste.  

Unsere Medien checken am allerwenigsten was sich da zusammenbraut. Sogar ein allseits beliebtes, islamkritisch-inkorrektes „Hetzblog“  titelt: Liebe Türken, alle Achtung! Der Autor Septimus jubelt die Ausschreitungen in Kümmelstan regelrecht hoch, als ginge es dort wahrhaftig um Demokratie und Säkularisierung. Warum sollte sich ein türkischer Frühling von einem arabischen Frühling unterscheiden? Erdogan ist genau so ein Diktator wie Assad, Mubarak, Gaddafi oder Merkel. Das erkennt man gleich an dem typischen Diktator-Oberlippenbart. So einen hat jeder anständige Diktator – der etwas auf sich hält. Aber auch in den Ländern des arabischen Frühlings wurden die Studenten, welche anfänglich gegen einen Diktator auf die Straße gingen, durch weit islamischere Demonstranten ersetzt.

Gaddafi-ErdoganGerade eine islamisch geprägte Partei wie die AKP, welcher Erdogan angehört, hat ein Interesse daran die scheinbar säkularen Studenten mit eigenen Kräften auf zu mischen. Über kurz oder lang werden sich auch radikal-islamische Kräfte einfinden. In allen anderen arabischen Ländern lief es genau nach diesem Schema ab. Die Frage war auf welcher Seite die Polizei, bzw. das Militär stand? Das Schicksal von Onkel Tayyip Erdogan ist so gut wie besiegelt.Er kann nur hoffen dass die Türkei nach der Revolution noch ein demokratischer Rechtsstaat ist. In jedem Fall endet der Herr Ministerpräsident des osmanischen Reiches irgendwo zwischen Berlusconi und Gaddafi. Immerhin hat Erdogan den Internationalen Gaddafi-Preis für Menschenrechte vom libyschen Diktator Muammar al-Gaddafi verliehen bekommen, den er auch persönlich entgegennahm.

Die Lage bliebt deswegen so gefährlich, weil sich ein innenpolitisch angeschlagener Diktator-Ministerpräsident gerne mal außenpolitisch Ablenkung verschafft, indem er einen Konflikt anzettelt. Den Konflikt haben wir bereits in Syrien. Wie lange Erdogan noch im Amt bleibt weiß nur Allah alleine. Was danach kommt bleibt ebenfalls abzuwarten. Je früher er geht, desto wahrscheinlicher ist es, dass gemäßigte Kräfte nachfolgen werden. Es könnte aber auch sein, dass wir eines Tages aufwachen und in der Türkei ist eine offen islamistische Regierung, mit Steinzeit-Islam-Phantasien an der Macht. Sollten dort wirklich nur säkular-demokratische Kräfte demonstrieren, dann kann ihnen zu ihrer Dönerrevolution nur beglückwünschen. Es bleibt aber zu befürchten, dass wir ägyptische Verhältnisse am Bosporus bekommen. Wie demokratisch die Türkei wirklich ist wird man am kommenden Machtwechsel ablesen können.

6 Antworten

  1. Durchaus treffende Analyse.

    Ich denke allerdings, dass die Türkei dennoch bessere Voraussetzungen für eine gemäßigte Revolition hat, als die von Dir genannten Länder. Diese Annahme stützt sich auf die Geschichte der Türkei, die als einziger Staat in diesem Bereich für lange Zeit laizistisch war, zumal der Nationalismus in der Türkei eine größere Bedeutung hat, als in den arabischen „Frühlingsländern“.

    Hier wird sich bald zeigen, ob Erdogans Islamisierungssaat erntereif ist, oder aber die o. g. Attribute der Türkei überwiegen🙂

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  2. Die hiesigen Forderasiaten sollten schnell in ihre Heimat fahren, um dort mitzukämpfen, egal auf welcher Seite.

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  3. Das Bild ist der lange gesuchte Beweis! Adolf lebt! Er hat sich in die Türkei geflüchtet! Und wurde dort zum GRÖFAZ! Allerdings soll er seit einiger Zeit von einer schweren Krankheit befallen sein: Dem ERDOWAHN!

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  4. Vielen Dank für die vielen regelmäßigen, wenn auch nicht immer stilvollen, Kommentare. Ihr könnt auch gerne mithelfen, indem Ihr den Link zu 50Pf teilt!

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  5. Erdowahn weiss schon warum er seine ungebildeten und integrationresistenten Mitbürger auf unsere Sozialämter loslässt! Aber die Proteste zeigen das es auch modern eingestellte Bürger in der Türkei gibt! Diese sollten wir unterstützen!

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