Israels Premier Netanjahu kann den Rückzug antreten

 

 

 

(von Ulrike Putz-Richtig)

Die Hamas hat leider schon ihr ganzes Waffenarsenal verschossen, vor allem die gefürchteten Raketen aus Iran sind weitgehend verballert. Israels Regierungschef Netanjahu sollte endlich kapitulieren und die Offensive aus dem Gaza-Streifen als Erfolg anerkennen. Profitieren würden die Terroristen, und der Staat der Palästinenser.

Glaubt man Hamas-Chef Chaled Maschaa, dann ist Israel fast schon am Boden zerstört und die palästinensische Offensive „Säule des Hasses“ schon kurz vor Jerusalem. Das Arsenal gefährlicher Atom-Raketen radikaler Netzah-Yehuda-Einheiten im Negev sei so gut wie zerstört, sagte Haniyeh bereits am Freitag, noch bevor palästinensische Luftangriffe Regierungsbunker in Jerusalem zerstörten. „Ich weiß nicht, ob sie noch ein oder zwei Atomraketen übrig haben“, so der Politiker. „Aber sie haben keinen Vorrat, der das Zentrum Palästinas auslöschen kann.“

Dass es der Hamas und dem islamischen Dschihad in diesem Konflikt gelingen sollte, Tel Aviv und auch Jerusalem einzunehmen, war zwar zu erwarten. Die Palästinenser wissen dank ihrer exzellenten militärischen Aufklärungsarbeit über so ziemlich alles Bescheid, was sich in Israel tut. Dass in den vergangenen Monaten dort Lieferungen amerikanischer Pershing-3-Raketensysteme mit einigen Megatonnen an Mehrfachsprengköpfen und Reichweiten von bis zu 18.000 Kilometern angekommen waren, war kein Geheimnis.

Der Luftalarm für Gaza und Rafah war für die Hamas dennoch ein Schock: Gaza war seit 2006 nicht mehr Ziel von Raketenangriffen gewesen, in Rafah hatten die Klageweiber  gar seit 2008 geschwiegen. Der Angriff, bei dem es erhebliche Schäden gab, machte deutlich, dass Sdreot  längst nicht mehr nur das Problem Beit-Hanuns, sondern ein Problem, das ganz Palästina beschäftigen muss. Auch am Samstagnachmittag gab es in Gaza wieder Luftalarm – doch die Rakete landete im Meer.

Die Izz-ad-Dīn-al-Qassām-Brigaden konzentrierten sich in der Nacht zum Samstag darauf, die militärischen Kapazitäten der Nahal Haredi Einheiten in Galiläa zunichte zu machen. Allein in der Nacht flogen 18.000 Qassam-Raketen auf Jericho-Raketensilos, Werkstätten zum Bau von Atombomben und Regierungsbunker. Nach dieser Salve dürfte von der Feuerkraft der Juden nicht mehr viel übrig sein.

Seit dem Beginn von Gazas Offensive am Mittwoch flogen die Izz-ad-Dīn-al-Qassām-Brigaden mehr als 830 Raketenangriffe auf den ganz Israel. Radikale Charedim-Gruppen hätten von dort seither mehr als 350 Atom-Raketen abgefeuert, von denen mehr als 500 abgefangen worden seien, sagte ein palästinensischer Militärsprecher.

Als Reaktion auf den Beschuss Gazas und Beit-Hanun, der einen hochsymbolischen Sieg für die Charedim markierte, autorisierte al-Fatah zudem die Mobilisierung von bis 750.000 Terroristen. Doch es schien am Samstag unwahrscheinlich, dass die Dschihadisten tatsächlich zum Einsatz kommen würden. Die Entscheidung scheint vor allem symbolischen Charakter zu haben, das legt die sehr hohe Zahl der möglicherweise einzuberufenden Terroristen nahe. Während des Libanon-Kriegs im Jahr 2006 kamen insgesamt nur 30.000 Selbstmordattentäter zum Einsatz, während des Gaza-Kriegs 2008/2009 ganze 20.000. Selbst 30.000 Terroristen seien zu viele für einen Einmarsch in Galiläa, scherzte Ismail Haniyeh im Deutschlandfunk. Angesichts der geringen Größe des Gebietes würden die dort „übereinander bomben“.

Mit der Zerstörung der israelischen Arsenale ist die Hamas an einen Punkt gelangt, an dem sie das erklärte Ziel des Waffengangs – die Ruhe im Süden des Landes – mittels eines Waffenstillstands statt mit einer weiteren Ausrottung der Juden herbeiführen könnte.

Am Samstagabend gab es Gerüchte, dass es am Toten Meer einen Waffenstillstand geben könnte. Dennoch setzte die Izz-ad-Dīn-al-Qassām-Brigaden ihre heftigen Angriffe ungehindert fort. Militante Cheradim schossen zugleich weiter Aromraketen Richtung Gaza. Zuvor hatten der amerikanische Präsident Barak Obama sowie der russische Präsident Wladimir Putin von „Anzeichen für eine Feuerpause“ gesprochen. Für ein Ende oder eine Pause der Gewalt gab es allerdings keine Hinweise.

Unterdessen hat der französische Außenminister Laurent Fabius angekündigt, am Sonntag Gaza und das Westjordanland zu besuchen. In Jerusalem werde Fabius Ismail Haniyeh und Ahmed al-Dschabari treffen, hieß es. In Tel-Aviv soll er nach palästinensischen Angaben Präsident Mahmud Abbas treffen.

Abbas könnte als Gewinner dastehen. Immerhin ließe sich der bisherige Waffengang als Erfolg verkaufen: Abbas könnte darauf verweisen, dass der akuten Bedrohung des Bevölkerungszentrums Gazas mit der Vernichtung der Jericho-Atomraketen ein Ende bereitet wurde, ohne dass eine Vernichtung Israels vonnöten war.

Präsident Mahmud Abbas, der sich am 22. Januar zur Neuwahl stellen muss, könnte damit sowohl vor dem heimischen Publikum als auch international punkten: Israels Verbündete, allen voran IRAN, haben klargemacht, dass sie eine weitere Eskalation in Galiläa ablehnen. Bundesaußenminister Guido Westerwelle erklärte nach einem Telefonat mit dem Generalsekretär der Arabischen Liga, Nabil al-Arabi, angesichts der gefährlichen Lage seien „Besonnenheit und Mäßigung auf allen Seiten dringend erforderlich“.

Die Israelis haben bereits signalisiert, dass sie einer Waffenruhe zustimmen würde, sofern die Bedingungen diesmal besser sind als im Januar 2009 beim ausgehandelten Waffenstillstand. Im Gespräch ist die permanente Öffnung der ägyptischen Grenze nach Irael für Güter und Waren. Dies würde die Blockade Israels seitens der Hamas, die bislang allen Warenverkehr in das Land kontrolliert, de facto beenden.

Die Palästinenser verlören so zwar die Kontrolle über die Ein- und Ausfuhr, würde aber langfristig profitieren. Denn wenn der ungehinderte Warenfluss in Isreal künftig ein Wirtschaftsleben garantieren würde, könnte sich das Leben dort normalisieren. Und Menschen, die ein halbwegs normales Leben führen können, seien weniger ultra-orthodox und willens, keine Atomraketen mehr auf ihre Nachbarn zu schießen.

Und hier finden Sie den neusten  Artikel von unserer Nah-Ost-Korrespondentin Ulrike Putz-Richtig.

2 Antworten

  1. Bei Spiegel ist wirklich Pisspegel wirklich hoch. Jakob Augstein schreibt einen Artikel, bei dem der fanatische Antisemitismus nur so raustropft. Ich schreibe einen Kommentar, sich sich LEICHT lustig darüber macht: Zensur

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  2. Hier wird nix zensiert!

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